Архив свидетелей Минской исторической мастерской

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Daniel Lieselotte

Daniel Lieselotte

Группа 
Рассовые преследования
Страна происхождения 
Германия
Место рождения 
Euskirchen-Kirchheim
Проф. деятельность  
ohne
Дата депортации 
1942 Июль 20
Лагерь и место 
-
Судьба 
Am 24. Juli 1942 in Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordert
Тип отчета 
Семейная история

Lieselotte Daniel, kurz Lotti genannt, wurde am 3. Juli 1930 in Kirchheim als Tochter der unverheirateten Henriette Daniel geboren. Im April 1936 wurde sie in die Kirchheimer Volksschule in die erste Klasse eingeschult, die sie am 11. November 1938 nach einem Erlass des Reichserziehungsministers zu verlassen hatte. Zu diesem Zeitpunkt lebte die achtjährige im großen Haus der Familie Daniel an der Ecke Arloffer Straße / Kirchheimer Straße zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Großmutter Rosalie, geborene Berlin, sowie der Familie ihres Onkels Karl Daniel, seiner Ehefrau Thekla Wolf und den beiden Söhnen Heinz (geboren 1931 in Kirchheim) und Gerhard (geboren 1934 in Kirchheim). Heinz hatte zusammen mit Lieselotte die Volksschule besucht.

Karl Daniel betrieb zusammen mit seinem Bruder Max bis 1936 einen Viehhandel, von dem die gesamte Familie lebte. Am 15. Oktober 1937 wurde ihnen die Erlaubnis dazu offiziell entzogen. Max Daniel heiratete 1936 die Tochter eines Viehhändlers aus Heimerzheim und betrieb den Handel dort noch bis 1938, danach konnte er mit seiner Familie in die USA ausreisen. Auch Karl Daniel, seiner Ehefrau Thekla und den beiden Söhnen gelang die Ausreise in die USA, ebenso dem Bruder Joseph Daniel und seiner Ehefrau sowie der Schwester Frieda Pfeuffer, geborene Daniel.

Im Laufe des Jahres 1938 wurde das Haus Daniel immer leerer, nachdem Karl und seiner Familie die Flucht aus Kirchheim gelungen war, blieben im Haus nur noch die Großmutter sowie deren Tochter Henriette mit der achtjährigen Lotti ohne jedes Einkommen. Als Mieter kamen dann drei „arische“ Familie ins Haus. Das Geld reichte kaum noch, so dass die Frauen sich gezwungen sahen, ihre Möbel zu verkaufen. Am 29. Dezember 1938 verstarb die Großmutter Rosalie. Henriette und Lotti suchten immer mehr Kontakt zu dem einzig noch in Deutschland lebenden Bruder Jakob Daniel, der mit seiner Ehefrau Salome in Bonn eine Metzgerei betrieb. Mit der drei Jahre älteren Cousine Ruth dürfte sich Lotti gut verstanden haben.  

Zum 1. Januar 1941 ging das Haus Daniel in den Besitz des Deutschen Reiches. Noch im Januar brachte Henriette ihre Tochter Lotti zum Bruder nach Bonn. Sie selbst folgte im März 1941 und teilte im Juni dem Bürgermeisteramt in Kuchenheim, wozu ihr Wohnort Kirchheim gehörte, mit, dass sie „doch gerne mit [ihrer] Familie und Kind zusammen bleiben möchte“. Den Schlüssel für das Haus Daniel habe sie schon vor zwei Monaten abgegeben.

Am 21. Juli 1941 erhielt Familie Daniel wie viele andere jüdische Einwohner in Bonn den Befehl, dass sie ins Kloster „Zur ewigen Anbetung“ nach Bonn-Endenich umziehen mussten. Dort wurden sie am 20. Juli 1942 zum Bahnhof Köln-Deutz gebracht, mit den Transportnummern 140 bis 144 im Zug DA 219 von Köln nach Minsk registriert. Am 24. Juli 1942 erreichte der Zug Minsk. Alle 1164 Personen, die sich in diesem Zug befanden, wurden im Wald von Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordet.

Im Jahr 1959 stellten Josef und Karl Daniel einen Wiedergutmachungsantrag. Zwei Jahre später wurde das Haus Daniel in Kirchheim wieder auf Karl Daniel als Eigentümer eingetragen. Er verkaufte das Haus dann 1963. Es wurde im Jahr 1981 abgerissen.

Quellen und Literatur:

Stadtarchiv Euskirchen, Bestand Kuchenheim II, Nr. 845, Verzeichnis der Gewerbeabmeldungen.

Stadtarchiv Euskirchen, Bestand Kuchenheim II; Nr. 651, Wiedergutmachung nach dem Bundesentschädigungsgesetz.

ARNTZ, Hans-Dieter: Judaica. Juden in der Voreifel, Euskirchen 1983, S. 347/358.

CORBACH, Dieter: 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz. Deportationen 1938 – 1945, Köln 1994, S. 502.

Erstellt von Dr. Gabriele Rünger