Архив свидетелей Минской исторической мастерской

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Sommer Karl

Sommer Karl

Группа 
Рассовые преследования
Страна происхождения 
Германия
Место рождения 
Euskirchen-Kuchenheim und Mülheim
Проф. деятельность  
Metzger und Viehhändler
Дата депортации 
1942 Июль 20
Лагерь и место 
-
Судьба 
Am 24. Juli 1942 in Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordet
Тип отчета 
Семейная история

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts war die Familie Sommer in Kuchenheim verwurzelt. Jacob Moyse (geb. am 12. Mai 1764 in Kuchenheim, gest. am 24. Sept. 1853 in Kuchenheim) war der Stammvater einer weit verzweigten Familie. Als im Jahr 1808 die Vor- und Nachnamen der jüdischen Bevölkerung im Rheinland amtlich festgeschrieben wurden, benannte er sich um in Zacharias Sommer und gab seinen 12 Kindern diesen Namen. Von der weitläufigen Familie lebten in den 1930er Jahren noch vier Vettern im Ort Kuchenheim: Otto (geb. am 14. April 1876, Selbstmord am 10. Juni 1942), Emanuel (geb. am 4. Feb. 1895, verst. in Israel)

und die beiden Brüder Karl (geb. am 10. Jan. 1895) und Wilhelm (geb. am 23. Okt. 1891);

zusammen betrieben die beiden Brüder einen Viehhandel und eine große Metzgerei, die sie von ihrem Vater Philipp Sommer geerbt hatten, in der heutigen Kuchenheimer Straße 115. Eine Beschreibung des Gebäudes weist den Laden der Metzgerei mit 4 x 12 m aus; Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, Wurstküche und Fremdenzimmer lagen im Parterre des Hauses. Im oberen Geschoss befanden sich vier Schlafzimmer und ein Gesellenzimmer.

Wilhelm Sommer heiratete im Jahr 1929 in Koblenz die aus Mülheim stammende Rosel Kombert (geb. am 25. April 1896). Am 13. Oktober 1930 kam in Kuchenheim der Sohn Arno zur Welt.

Der Bruder Karl Sommer blieb unverheiratet.

Arno wurde Ostern 1936 in die Kuchenheimer Volksschule eingeschult, diese besuchte er bis zum 15. November 1938, als alle jüdischen Schüler nach einem Erlass des Reichserziehungsministers zu „entlassen“ waren. Bis zum 1. Mai 1936 konnten die beiden Brüder die Metzgerei noch betreiben, doch dann musste verpachtet werden. Auch das große Haus war finanziell nicht mehr lange zu halten. Im Jahr 1940 suchten die vier Personen Unterschlupf beim Vetter Otto Sommer und dessen Haushälterin Amalie Wolff in der Buschstraße. Im kleinen Fachwerkhaus lebten bis zum Juni 1941 nun sechs Personen. Im Juni 1941 sollte der Ort Kuchenheim „judenfrei“ gemacht werden. Alle noch dort lebenden Juden hatten in sogenannte Judenhäuser umzuziehen, für die Familie Wilhelm Sommer und Karl Sommer war das Haus von Jeanetta Appel in Euskirchen-Großbüllesheim vorgesehen. Dort lebten sie zusammen mit der Familie Pfabe (3 Personen), der Familie Appel (3 Personen) in sehr beengten Wohnverhältnissen. Das letzte erhaltene Foto des 11-jährigen Arno Sommer entstand dort im Sommer 1941.

Am 14.06.1942 (einem Sonntag), hatten sich morgens um 7 Uhr alle noch in Großbüllesheim verbliebenen Juden am Haus Familie Appel einzufinden. Unter Aufsicht eines allgemein gefürchteten Polizisten aus Kuchenheim stiegen sie weinend auf einen landwirtschaftlichen Anhänger. Ein Landwirt aus Großbüllesheim fuhr sie mit seinem Traktor nach Bonn-Endenich, wo sie in dem beschlagnahmten ehemaligen Kloster zur „Ewigen Anbetung“ untergebracht wurden. Von dort wurden sie zum Bahnhof Köln-Deutz deportiert und mit den Transportnummern 957, 958, 959 und 960 im Zug DA 219 von Köln nach Minsk registriert. Am 24. Juli 1942 erreichte der Zug Minsk. Alle 1164 Personen, die sich in diesem Zug befanden, wurden im Wald von Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordet.

Literatur und Quellen:

ARNTZ, Hans-Dieter: Judaica, Juden in der Voreifel, Euskirchen 1983, S. 295 und 341.

CORBACH, Dieter: 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz. Deportationen 1938 – 1945, Köln 1994, S. 540.

HOFFMANN, Karl Johann: Juden in Großbüllesheim, in: Jahrbuch des Kreises Euskirchen 2005, Monschau 2004, S. 51.

Erstellt von Dr. Gabriele Rünger