Архив свидетелей Минской исторической мастерской

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Wolff Hermann

Wolff Hermann

Группа 
Рассовые преследования
Страна происхождения 
Германия
Место рождения 
Neumark (heute: Nowemiasto, Polen)
Проф. деятельность  
Geschäftsführer, Kaufmann
Дата депортации 
1941 Ноябрь 8
Лагерь и место 
Minsker Ghetto
Судьба 
Todesumstände unbekannt
Тип отчета 
Семейная история

Hermann Wolff, geb. 14.12.1899 in Neumark (heute: Nowemiasto, Woiwodschaft Ermland-Masuren im nördlichen Polen), deportiert am 8. November 1941 nach Minsk

Hertha Wolff, geb. Happ, geb. am 11.5.1902 in Berlin, deportiert am 18. November 1941 nach Minsk

Uri Wolff, geb. am 19.1.1941 in Hamburg-Altona, deportiert am 18. November 1941 nach Minsk

Hasselbrookstraße 96

Hermann Wolff wurde am 14. Dezember 1899 in der Kleinstadt Neumark in der Gegend des früheren Marienwerder im damaligen Ostpreußen nahe der Ostseeküste geboren. Über seine Eltern, Bernhard und Bertha Wolff, geborene Jacob, liegen keine weiteren Informationen vor. Hermann Wolff soll fünf Geschwister gehabt haben, von denen jedoch nur vier namentlich bekannt sind: die Brüder Julius und Arthur sowie die Schwestern Eva Weiss, geborene Wolff und Paula Wolff. Sie alle haben den Holocaust überlebt.

Laut Meldeschein vom 28. Oktober 1925 von Berlin nach Hamburg gezogen, heiratete Hermann Wolff am 19. November 1925 Hertha Happ, geboren am 11. Mai 1902 in Berlin. Beide gehörten der Jüdischen Gemeinde an.

In seiner Berliner Zeit war Hermann Wolff beruflich erfolgreich. Bei der dortigen Stofffirma Finkelstein brachte er es nach Auskunft seines Bruders Julius bis zum Geschäftsführer und verfügte über ein Einkommen von monatlich etwa 400 RM.

Auch in Hamburg muss es Hermann Wolff und seiner Ehefrau zunächst gut gegangen sein. Er betrieb einen Handel mit Manufakturwaren. Die Geschäftsadresse lautete Burggarten 4 in Hamburg-Borgfelde. Der erste Steuereintrag in der Kultussteuerkartei der hamburgischen Jüdischen Gemeinde stammt aus dem Jahr 1927. Her­mann "lebte selbständig und sorgenfrei", erinnert sein Bruder Julius. 1928 zog das Ehepaar Wolff nach Eilbek, in die Hasselbrookstraße 96, wohnte dort zur Untermiete bei der Witwe C. F. Möller. Seit Mai 1930 lebte das Ehepaar Wolff auf dem Dulsberg, zunächst in der Probsteier Straße 35, ab Anfang 1932 in der Probsteier Straße 33. In den Jahren von 1934 bis 1939 ist im Hamburger Adressbuch die Probsteierstraße 23 vermerkt, 1937 mit dem Zusatz "Schaufensterdekorateur".

Während der Dulsberger Jahre wurden die Lebensumstände schwieriger. In der Weltwirtschaftskrise brachte der selbstständige Handel immer weniger ein, so dass Hermann Wolff ab 1931 "beim Arbeitsamt zur Vermittlung gestempelt" hat. Die Familie erhielt nun Unterstützung aus öffentlichen Mitteln. Zudem ging es den Eheleuten Wolff gesundheitlich schlecht. Erschwert wurde die Situation auch dadurch, dass Hertha Wolffs Mutter jetzt bei der Familie lebte. 1932 wurde Hermann Wolff erwerbsunfähig. Er verrichtete ab 1937 mit Unterbrechungen so genannte Unterstützungsarbeit. Unterstützungs- oder Pflichtarbeit wurde erwerbslosen Männern und Frauen auferlegt, die Arbeitslosen- und Fürsorgeunterstützung erhielten. Bei diesen Einsätzen erlitt Hermann Wolff eine Rippenquetschung. Später kamen Herzbeschwerden, Bronchitis und ein Magenleiden hinzu.

Ab 1935 richtete die Abteilung Arbeitsfürsorge der Gesundheits- und Fürsorgebehörde in Hamburg extra Arbeitsplätze für jüdische Personen ein. Sie wurden zu schwersten Erdarbeiten herangezogen. 1938 arbeitete Hermann Wolff kurze Zeit in Waltershof und musste mit anderen Männern auf einem Schlickfeld Sport- und Spielplätze für die dortige Kindertageskolonie und ein Kleingartengelände anlegen. 1938 arbeitete er auch auf der Horner Rennbahn und auf einer Baustelle in Buxtehude. Die Dienststelle Arbeitsfürsorge beschickte 1938 und 1939 zwei, zeitweilig drei auswärtige Plätze im Bezirk Stade ausschließlich mit Juden. Auch hier wurden sie von den übri­gen Arbeitern separiert. In diesen Sonderlagern bei Buxtehude waren bis zu 90 jüdische erwerbslose Unterstützungsempfänger mit schweren Erdarbeiten beschäftigt. 1939 war Hermann Wolff etwa acht Monate bei einer Firma in Altona tätig. 1940 wurde er nach Stade zu einer Baufirma dienstverpflichtet. Im April 1941 arbeitete er bei der Hanfspinnerei Steen & Co. in Lokstedt. Dieses Unternehmen hatte mehrere Standorte in Hamburg. Es beschäftigte im Jahr 1944 polnische Zwangsarbeiter sowie sowjetische und belgische Zwangsarbeiterinnen.

Hertha Wolffs Gesundheit war stark angegriffen. Sie litt unter schweren Rückenschmerzen, zitternden Händen und Herzrasen. Ihr wurde leicht schwindelig, sie hatte Rheuma und war insgesamt "furchtbar schwach". Dennoch wurde sie 1938 energisch zur Arbeitssuche angehalten, es müsse ihr binnen kurzem möglich sein, Arbeit in einem jüdischen Haushalt zu finden. Ab Mitte Juni 1938 war sie arbeitsunfähig krank. Es wird berichtet, sie sei trotzdem weiter zur Arbeitsaufnahme angehalten worden. 1940 hatte sie dann eine "Reinmachestelle" am Mittelweg.

Inzwischen, ab Ende Januar 1939, lebte die Familie in Altona-Altstadt in der General-Litzmannstraße 93 (heute: Stresemannstraße im Stadtteil Sternschanze), später in einer Kellerwohnung in der Adolfstraße 71 (heute: Bernstorffstraße) in Altona. Diese Wohnung wurde den Wolffs zum 1. Juli 1940 wegen ihrer jüdischen Glaubenszugehörigkeit gekündigt. Die letzte bekannte Adresse vor der Deportation lautete Wohlersallee 58, ebenfalls in Altona (heute Wohlers Allee).

Familie Wolff hatte oft Kontakt mit der Hamburger Fürsorgebehörde. Nach einer besonderen Anweisung sollten ihre persönlichen Verhältnisse "über das übliche Maß hinaus" laufend überwacht werden. Ab 6. Februar 1939 nahm die "Sonderdienststelle B" auf St. Pauli ihre Arbeit auf. Sie war ausschließlich für jüdische Unterstützungsempfänger zuständig, für die die Jüdische Gemeinde nun aufkommen musste. Dieser Dienststelle unterstanden nun auch die Wolffs. Am 18. April 1941 wurde die Familie wieder von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin dieser Sonderdienststelle aufgesucht. In der Fürsorgeakte wurde festgehalten: "Es ist jetzt ein Kleinkind im Hause. Die Eheleute bewohnen eine kleine Kellerwohnung für mtl. RM 20,--, das Grundstück gehört dem J.R.V. [Jüdischer Religionsverband]. Die Miete ist laufend bezahlt." Am 16. Januar 1941 war der einzige Sohn Uri geboren worden.

Die in der Fürsorgeakte erwähnte Kellerwohnung in der Wohlersallee 58 in Altona befand sich in einem "Judenhaus", in dem Juden konzentriert wurden und auf engstem Raum wohnen mussten.

1941 wurde die Familie vom Hannoverschen Bahnhof aus nach Minsk deportiert, Hermann Wolff am 8. November, Hertha und der Sohn Uri, der erst zehn Monate alt war, folgten am 18. November. Seitdem gab es von ihr kein Lebenszeichen mehr. Hermann, Hertha und Uri Wolff wurden 1965 vom Amtsgericht Hamburg-Altona auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) verlangten mit einem Schreiben vom 6. Januar 1942 an die "Verwaltungsstelle für Judenvermögen" beim Finanzamt Hamburg-Dammtor für die in einer mehrseitigen Liste aufgeführten "Juden, die in letzter Zeit evakuiert sind", Kostenerstattung für verbrauchten Strom, darunter für Hermann Wolff 2,73 RM.

Für Hermann Wolff liegt ein Stolperstein in Eilbek und ein weiterer in der Wohlersallee 50.

Stand Februar 2014

© Ingo Wille

Quellen: 1; 4; 5; 9; AB; StaH 314-14 Oberfinanzpräsident 29 (HEW); 332-5 Standesämter 6637-582/1925; 351-11 Amt für Wiedergutmachung 22241; Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin 1324/1902 Geburtsurkunde; Lohalm, Fürsorge und Verfolgung, S. 35, 52; Littmann, Zwangsarbeit in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939–1945; Lohalm, Völkische Wohlfahrtsdiktatur, S. 403ff.; Rosenberg, Jahre des Schreckens.

Diese Biographie entstand im Rahmen des Projektes „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ unter Leitung von Dr. Rita Bake (Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg) und Dr. Beate Meyer (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg).