Der Kriegsbeginn
Am Kriegsanfang war Faina Šmagina vier. Ihr Vater Solomon war in die Armee einberufen.
Das Leben im Ghetto
Die Mutter von Faina, Rachil war im Ghetto in der Gerberei tätig – sie wusch die Wäsche und Uniform der deutschen Soldaten und Offiziere. Für ihre 10 bis 12-stündige Arbeit pro Tag bekam sie Kartoffelschalen und etwas Brot. Erste Zeit ließ die Mutter Fanja mit den Großeltern zu Hause, sie wurde unter Geleit zur Arbeit gebracht. Wenn es schon zu den Pogromen kam, nahm sie ihre Tochter mit und versteckte sie im Gebüsch in der Nähe der Gerberei.
Um zu überleben, errichtete der Großvater einen Versteck. Er trennte ein Teil des Zimmers durch eine Scheidewand und stellte an die Wand einen Geschirrschrank, im unteren Teil dessen er einen geheimen Durchgang machte. Dort versteckten sich Erwachsene, die Kinder blieben mit der Großmutter im vorderen Teil des Zimmers. Nach einem Pogrom konnten sich der Großvater Meer und die Großmutter Maria mit den kleinen Kindern nicht retten. Faina und ihre Mutter hörten sitzend im Versteck, wie die Deutschen alle abführten. Keiner sah sie später lebend. (Žizn' prodolžaetsja. Vospominanija vyživšich v ogne Cholokosta/ Das Leben geht weiter. Erinnerungen der Überlebenden in Flammen von Holocaust, Chicago 2013, S. 29)
Die Flucht aus dem Ghetto
Als sie über die geplante Liquidierung von Ghetto erfuhren, beschlossen Fanja und ihre Mutter zu fliehen. Sie ergriffen die Gelegenheit – die Unaufmekrsamkeit der Wachmänner – und flohen 1943 in die jüdische Sorin-Partisanenabteilung. Da waren sie vom 30. September 1943 bis zum 3. Juli 1944. Die Frauen kochten, wuschen die Wäsche, pflegten die Verletzten und erfüllten die Aufgaben der Abteilungsleitung.
Faina behielt im Gedächtnis eine Episode, als ein vor der Roten Armee fliehender deutscher Soldat in ihre Abteilung gelang. Die Frauen machten Selbstjustiz, bewarfen ihn mit Steinen, Flaschen und anderen Gegenständen ihre Verwandten und Nächsten rächend, danach vergruben sie ihn lebend in die Erde. (Ebd., S. 30)
Das Nachkriegsleben
Im Juli 1944 kehrten Fanja und ihre Mutter in das zerstörte Minsk zurück. Zum Glück war ihr Haus unversehrt. Die Nachbarn, die sie am Anfang des Krieges aus der Wohnung vertrieben hatten, räumten sie. Danach war ein frohes Treffen mit dem Vater, der lebend nach dem Krieg nach Hause kam, wo er vom Anfang bis zum Ende war und viele Orden und Medaillen hatte. 1946 wurde ihre Familie größer: Es kam der Bruder Marik zur Welt.
1954 absolvierte Fanja eine mittlere Frauenschule und ging an die medizinische Hochschule studieren. 1960 absolvierte sie das Studium erfolgreich.
1959 heiratete Fanja Leva, sie hatten zwei Söhne: Leonid und Dimitrij.
1991 starb ihr Mann.
Am 8. März 1992 übersiedelte Faina Šmagina zusammen mit ihren Söhnen und der Mutter in die USA. Ihre Söhne sind als Ingenieure tätig, schon in den USA hatte Faina drei Enkelkinder.
Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk