Das Vorkriegsleben
Sonja Sajanz wurde 1919 in Minsk geboren. Ihr Vater Lejb Salmanovič war Schlosser, ihre Mutter Sarra Kasrilovna war Hausfrau. Sonja hatte drei Schwestern: Polina, Mira und Sinaida. 1941 absolvierte Sonja Sajanz die Medizinische Hochschule in Minsk.
Der Kriegsbeginn
Als es Luftangriffe waren, verließ die Familie Sajanz die Stadt, bald aber kehrten sie alle zurück, weil die ältere Schwester schwanger war und schon Wehen hatte.
Das Leben im Minsker Ghetto
Nach der Einrichtung vom Ghetto wurde die Familie Sajanz in der Ostrovskij-Straße in der Wohnung der älteren Schwester von Sonja untergebracht. In ihrer Verpflegungsration waren Fladen aus Mehl oder Kartoffelschalen, in der Arbeit bekamen sie Linsensuppe. Sonja Sajanz war in dem jüdischen Krankenhaus tätig, ihr Vater wurde von den Mitarbeitern des Arbeitsamtes in das Arbeiterkommando des Generalkommissariat aufgenommen.
Während des Pogroms am 7. November 1941 rettete sich die Familie Sajanz durch die Arbeit des Vaters. So versteckten sich alle Familienmitglieder im Pferdestall, wo extra ausgewählte Arbeiter des Generalkommissars Kube wohnten, die während des Pogroms nicht festgenommen wurden. Später wurde die Familie Sajanz im Gebäude einer ehemaligen Synagoge in einem kleinen Zimmer untergebracht, wo drei Familien wohnten. In diesem Haus war im Keller eine Grube, die »Malina« genannt wurde. Im Zimmer der Sajanz war unter dem Bett der getarnte Eingang in die Grube. Der letzte, der den Eingang maskierte, versteckte sich in der Vorratskammer, wo eine Doppelwand war. Alle waren stets gespannt, horchten auf, um sich rechtzeitig zu verstecken. Aber auch solche Überlebensmethoden retteten die Familienmitglieder nicht. Im Laufe der zahlreichen Razzien und Pogrome verlor die Familie Sajanz alle ihre Verwandten: den Vater Lejb Salmanovič, die Mutter Sarra Kasrilovna, die Schwestern Polina, Mira und Sinaida und auch die Großmutter. Im Ghetto starben auch ihre Tanten mit den Kindern.
Die Flucht aus dem Minsker Ghetto
Das Leben im Ghetto zwang dazu, neue Auswege aus allen möglichen kritischen Situationen zu suchen. Darum suchte Sonja Sajanz stets den Kontakt mit den Untergrundorganisationen und den Leuten, die gegen den Deutschen kämpften. Einmal begegnete sie den Leuten, die ihr mitteilten, wie sie Partisanen finden konnte. Sie beschloss aus dem Ghetto zu den Partisanen zu fliehen. Die Flucht blieb ihr im Gedächtnis mit unendlichem Umherirren, starkem Hunger, Durst und unerträglichen Beinschmerzen. Letzten Endes traf sie sich dank der Hilfe einer Dorfbewohnerin mit der Gruppe einer Partisanenabteilung, deren Kommandeur Lapidus war. Da zu der Zeit mit Absicht viele Gerüchte über jüdischen Spionen mit Provokationszielen verbreitet wurden, wurde Sonja Sajanz verhört. Zum Glück fanden sich in der Partisanenzone einige Ärzte, die mit ihr bekannt waren und ihre Identität bestätigten. Als es keinen Zweifel mehr gab, wurde sie zu den Bauern ins Dorf Porečje geschickt, wo sie ruhr- und typhuskranke Kinder behandeln sollte. Danach war sie Ärztin in der Partisanenabteilung namens Timošenko der 2. Minsker Brigade, wo sie auch die Befreiung erlebte.
Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk