Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Schwarz Hugo

Schwarz Hugo

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Euskirchen
Beruf 
Straßenbauarbeiter
Deportationsdatum 
1942 Juli 20
Unterbringung/Inhaftierung 
-
Schicksal 
Am 24. Juli 1942 in Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordet
Berichtsart 
Familiengeschichte

Am 10. Juli 1939 heirateten im Standesamt Rheinbach der in Euskirchen am 8. August 1914 geborene Hugo Schwarz und die in Köln am 27. April 1920 geborene Ilse Salm.

Hugo Schwarz war der älteste Sohn des Euskirchener Glasers Philipp Schwarz und seiner Ehefrau Johanna, geborene Berger. Hugo und seine jüngeren Geschwister Alex (geboren 1915), Rosa (geboren 1919) und Philipp Lothar (geboren 1929) wuchsen in der Baumstraße 14 in Euskirchen auf. Im Hinterhof des Hauses befand sich der Glaserbetrieb des Vaters, Familie Schwarz wohnte in der ersten Etage des Hauses. Die Glaserei, ein Familienbetrieb in der zweiten Generation, florierte gut und Familie Schwarz war in der Handwerkerschaft der Stadt und bei den Nachbarn sehr beliebt. Am 10. Februar 1939 wurde die Glaserei offiziell im Zuge der „Entjudung von gewerblichen Betrieben“ im Gewerberegister gelöscht. Ihren Lebensunterhalt versuchten Vater Philipp und Sohn Hugo mit Gelegenheitsarbeiten zu bestreiten. Hugo arbeitete bei Straßenbaufirmen, seine Arbeitgeber wechselten oft.

Dem Bruder Alex Schwarz war es zu diesem Zeitpunkt schon gelungen, Ausreisepapiere für Mexiko zu erhalten. Am 27. August 1938 hatte er vom Hamburger Hafen aus Deutschland verlassen. Auch der Schwester Rosa gelang die Flucht nach England am 13. Juli 1939, drei Tage nach der Hochzeit ihres Bruders. Von dort konnte sie in die USA entkommen.

Das junge Ehepaar, Hugo und Ilse Schwarz, lebte mit Ilses Eltern (Moritz Salm und Karolina geborene Wolf) zusammen in Rheinbach, in der Kriegerstraße 11. Gemeinsam versuchten sie gleich nach der Hochzeit Ausreisepapiere zu erhalten. Bereits am 15. Juli 1939 erklärte man ihnen, dass ihre Kaution nicht hoch genug sei, um eine Genehmigung für die Ausreise nach Amerika zu bekommen. Auch ein Gesuch an das „Reichswanderungsamt“ um eine Ausreise nach Australien wurde abgelehnt.

Von Mexiko aus tat Alex Schwarz alles, um seine Eltern und seinen kleinen Bruder Philipp Lothar nach Mexiko in Sicherheit zu bringen. Er hatte Arbeit in einer amerikanischen Glaserei gefunden, in der er sich bis zum Direktor des Standorts in Monterrey/Mexiko hocharbeiten konnte. Erst im Oktober 1941, zu einem Zeitpunkt als die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus dem Rheinland in die Konzentrationslager im Osten schon begonnen hatten, trafen die Ausreisepapiere für die Eltern Philipp und Johanna Schwarz sowie für den 12-jährigen Philipp Lothar ein. Ein Wiedersehen mit ihrem Sohn Alex in Mexiko und nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Tochter Rosa war ihnen vergönnt. Ihren ältesten Sohn Hugo und dessen junge Frau sah Familie Schwarz nie mehr.

Hugo und Ilse Schwarz erhielten am 7. Juli 1942 in Rheinbach den Befehl, sich zum jüdischen Sammelarbeitslager im früheren Kloster „Zur ewigen Anbetung“ in Bonn-Endenich einzufinden. Von dort wurden sie am 20. Juli 1942 zum Bahnhof nach Köln-Deutz gebracht und unter den Transportnummern 1011 und 1012 im Zug DA 219 von Köln nach Minsk registriert. Am 24. Juli 1942 erreichte der Zug Minsk. Alle 1164 Personen, die sich darin befanden, wurden im Wald von Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordet.

Literatur und Quellen:

ARNTZ, Hans-Dieter: Judaica, Juden in der Voreifel, Euskirchen 1983, S.321.

CORBACH, Dieter: 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz. Deportationen 1938 – 1945, Köln 1994, S. 542.

Stadtarchiv Rheinbach, Heiratsregister, Nr. 38/1939.

Erstellt von Dr. Gabriele Rünger