Rosemarie Anspacher wurde am 8. November 1926 als Tochter von Herman und Friederike Anspacher, geborene Körbchen, in Bremen geboren.
Rosemarie hatte einen älteren Bruder, Bernhard Anspacher (*13. April 1922 in Bremen). Die Familie lebte in der Hohenlohstraße 44, wo der Vater Hermann Anspacher gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm die Pferde- und Viehhandlung des Großvaters Bernhard führte.
Im Jahre 1937 fiel das Unternehmen unter einem Handelsverbot, wodurch das Geschäftsvermögen verloren ging. Die Familie sah sich dadurch gezwungen, die vorhandenen Pferde zu Billigpreisen zu veräußern. In der Reichspogromnacht 1938 wurde Hermann Anspacher schließlich verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Dieses konnte er nach einigen Wochen verlassen unter der Auflage, über die Ereignisse im Lager zu schweigen, sich an das Handelsverbot zu halten und schnellstmöglich das Land zu verlassen. Er hielt sich an alle Bedingungen und emigrierte am
4. April 1939 nach Groningen in die Niederlande. Nach der deutschen Besatzung der Niederlande im Mai 1940 wurde Hermann Anspacher interniert und in das Sammellager Westbrock gebracht, wo er dem „jüdischen Ordnungsdienst“ angehörte. Er überlebte die Verfolgung und kehrte in den 1950er Jahren nach Bremen zurück, wo er am 27. Februar 1976 verstarb.
Der Sohn der Eheleute Anspacher gelangte im November 1938 mit einem Kindertransport nach Großbritannien. Der damals 16-Jährige Bernhard Anspacher überlebte hier den zweiten Weltkrieg und nahm den Namen „Anson“ an.
Rosemarie Anspacher besuchte bis Herbst 1938 die Schule „An der kleinen Helle“ in Bremen und plante eine spätere Karriere als Dolmetscherin. Am 15. November 1938 wurde sie jedoch, wie alle jüdischen Schüler, vom Unterricht ausgeschlossen. Daraufhin verließ sie am 8. Mai 1939 Bremen und ging nach Belgien. Hier lebte sie bei einer jüdischen Pflegefamilie in Antwerpen. Diese Pflegefamilie wanderte jedoch aus und musste Rosemarie zurücklassen. So kehrte sie am 27. Juni 1941 über Brüssel zur Mutter nach Bremen zurück. Friederike Anspacher lebte zu diesem Zeitpunkt im „Judenhaus“ in der Geestemünder Straße 22.
Am 18. November 1941 wurde Rosemarie Anspacher und ihre Mutter Friederike nach Minsk deportiert, von wo sie nicht wieder zurückkehrten. Die genauen Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Johr, Barbara: Friederike Anspacher, geb. Körbchen. Rosemaroe Anspacher. In: Christoffersen, Peter (Hg.); Johr, Barbara (Hg.): Stolpersteine in Bremen. Biografische Spurensuche. Bremen 2017, S. 61-62.