Alfred Heinemann wurde am 24. Juli 1886 als Sohn von Julius und Bertha Heinemann, geborene Meyer, in Wildeshausen nahe Bremen im heutigen Niedersachsen geboren. Er hatte drei Geschwister, von denen nur zwei namentlich bekannt sind: Else Heinemann, geboren 1890, und Ida Heinemann, geboren 1893. Sein Vater besaß ein Manufakturwarengeschäft in der Hunterstraße 26 in Wildeshausen. Alfred Heinemann besuchte die Oberrealschule in Oldenburg. Im Jahre 1906 legte er sein Abitur am Goethe-Gymnasium in Frankfurt am Main ab und begann eine Lehre zum Bankkaufmann. Diese schloss er erfolgreich ab und arbeitete anschließend im Bankhaus Carlebach in Frankfurt am Main. Danach arbeitete er einige Zeit in Berlin in der Dresdner Bank. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurde er als Soldat eingezogen. Über seine Zeit an der Front ist nichts bekannt. Er kehrte, ebenfalls zu einem unbekannten Zeitpunkt, nach Wildeshausen zurück, um das Geschäft des Vaters zu übernehmen. Dort konnte er gute Umsätze erzielen, wobei ihm seine Ausbildung sicher half. Zeit seines Lebens blieb er ledig. Als Hilfe für sein Geschäft und im privaten Haushalt stand ihm Golda Herzberger zur Seite. Die am 13. Oktober 1884 in Sachsenhagen geborene Laden- und Haushälterin blieb ebenfalls Zeit ihres Lebens ledig.
Ab 1924 nahm die antisemitische Stimmung in Wildeshausen deutlich zu und die Nationalsozialisten konnten recht früh Erfolge im Ort für sich verbuchen. Sie stellten bereits 1930 gemeinsam mit ihren politisch gleichgesinnten Parteien die Hälfte der Mitglieder des Stadtrates. Somit prägten sie nun maßgeblich das öffentliche Leben der Stadt. Bereits 1933 lebten nur noch 20 jüdische Familien im Ort. Am 1. April 1933 erfolgte der Boykott jüdischer Geschäfte, im Zuge dessen die „Arische“ Bevölkerung dazu aufgefordert wurde, nicht mehr bei Juden einzukaufen. Diese Maßnahme machte sich auch bei Alfred Heinemann bemerkbar, dessen Geschäftsumsätze kontinuierlich sanken, bis sie 1938 beinahe gänzlich zum Erliegen kamen. Seit dem musste er von dem erwirtschafteten Familienvermögen leben. In der Reichspogromnacht 1938 drangen SA-Männer in die Wohnung Alfred Heinemanns ein. Sie beschlagnahmten Bargeld sowie Wertgegenstände und brachten ihn gemeinsam mit den restlichen fünf in Wildeshausen lebenden jüdischen Männern ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Nachdem er Anfang 1939 aus der Haft zurückkehrte, verlor er seinen gesamten Besitz. Er musste sein Warenlager zum Niedrigpreis verkaufen und sein Ladengeschäft wurde ihm genommen. Alfred Heinemann zog sich nach diesen Ereignissen immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Nur unter Mühen war es ihm möglich, den durch Einschränkungen bestimmten Alltag zu überstehen. Im Februar 1940 beschloss die SS Wilhelmshafen die Vertreibung der letzten Juden aus Ostfriesland, aus dem damaligen Regierungsbezirk Aurich und aus dem Land Oldenburg. Im Zuge dessen verließen Alfred Heinemann und Golda Herzberger als letzte Juden Wildeshausen. Alfred Heinemanns Grundstücke sowie sein sich darauf befindendes Haus wurden für 35.000 RM verkauft. Der Erlös ging jedoch nicht an ihn, sondern fiel an das Deutsche Reich. Er zog gemeinsam mit Golda Heinemann nach Bremen in das „Judenhaus“ in der Scharnhorststraße 121.
Am 18. November 1941 wurden Alfred Heinemann und Golda Herzberger nach Minsk deportiert, wo sie beide ums Leben kamen. Die genauen Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Ebeling, Barbara: Alfred Heinemann. In: Christoffersen, Peter (Hg.); Johr, Barbara (Hg.): Stolpersteine in Bremen. Biografische Spurensuche. Bremen 2017, S. 133./ Ebeling, Barbara: Golda Herzberger. In: Ebenda, S. 133-134/136.