Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Keibel Erna

Keibel Erna

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Hamburg
Beruf 
Näherin
Deportationsdatum 
1941 November 18
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Todesdatum und -umstände unbekannt
Berichtsart 
Familiengeschichte

Erna Keibel, geb. Silberberg, geb. 23.7.1896, deportiert am 18.11.1941 nach Minsk

Erwin Keibel, geb. 11.6.1892, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Hans Keibel, geb. 7.7.1933, deportiert am 18.11.1941 nach Minsk

Ruth Keibel, geb. 29.3.1924, deportiert am 18.11.1941 nach Minsk

Marienthaler Straße 143 (Marienthaler Straße 145)

Erwin Keibel wurde am 11.6.1892 in Rostock geboren. Sein Vater hieß Nissan, änderte seinen Vornamen aber in Ernst. Nissan Keibel wurde am 19.11.1854 in Wilhelmsburg in Pommern geboren und war mit Rosa, geb. Heine, geb. am 20.3.1865 in Strelitz, verheiratet. Erwin hatte eine ältere Schwester, Johanna, geb. 9.5.1891 in Rostock, und eine jüngere, Elsa, geb. 16.4.1894. Beide wurden Lehrerinnen. Elsa heiratete den religionslosen, nichtjüdischen Heinrich Kittler und schied aus dem Schuldienst aus, Johanna blieb ledig und unterrichtete bis zu ihrer Entlassung 1933 an der Schule Berliner Tor 27. Danach arbeitete sie bis zu ihrer Deportation an der Talmud Tora Schule. Familie Kittler überlebte.

Familie Keibel kam vor dem Ersten Weltkrieg nach Hamburg. Nissan/Ernst Keibel trat 1914 in die Deutsch-Israelitische Gemeinde ein. Er lebte vom Zigarrenhandel und machte die Wohnung Grindelallee 62 zum Familienwohnsitz. Erwin Keibel heiratete Erna Silberberg, geb. am 23.7.1896 in Hamburg. Sie betrieben eine Nähstube. Damit erzielten sie ein unregelmäßiges bescheidenes Einkommen. Dennoch leisteten sie ihren Beitrag zur Jüdischen Gemeinde, und wenn er noch so gering war. Sie zogen aus der Grindelallee 62 in die Marienthaler Straße 145.

Erwin und Erna Keibel hatten drei Kinder, Liselotte, geb. 23.3.1921, Ruth, geb. 29.3.1924 und den Nachkömmling Hans, geb. 7.7.1933. Liselotte war jung verheiratet mit Kurt Schmul, geb. 17.3.1918 und sie hatten einen Sohn, Berl Schmul, geb, 5.4.1941. Erna Keibel wurde 1938, vermutlich im Zusammenhang mit der Pogromnacht vom 9./10. November, vorübergehend im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert.

Am 19. Februar 1940 starb Nissan/Ernst Keibel. Seine Witwe, Rosa Keibel, über 85 Jahre alt, wurde bald darauf mit ihrer Tochter Johanna ins Samuel Levy-Stift in der Bundesstraße 35, das inzwischen ein "Judenhaus" geworden war, eingewiesen, Erwin mit seiner Familie in das "Judenhaus" Durchschnitt 8, wo sie im Keller wohnten. Erna Keibel gab bei der "Aussiedlung" nach Minsk als Beruf "Näherin" an, ihr Mann Erwin "Wäschezuschneider", die Tochter Ruth "Gärtnerin".

Erwin Keibel wurde, wie etliche andere Männer auch, 10 Tage vor den anderen Familienangehörigen, am 8. November 1941, in das Getto in Minsk deportiert. Wie der Minsk-Chronist Heinz Rosenberg berichtete, hatten die deutschen Besatzer unmittelbar davor das Getto von einheimischen Juden "geräumt", so dass die Neuankömmlinge erst einmal die blutigen Spuren dieser Aktion beseitigen mussten. Die ganze Familie hat wahrscheinlich wieder zusammen gewohnt, bis sie durch Krankheit, Auszehrung, Kälte und Selektionen Person für Person ausgelöscht wurde.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; StaH, 522-1, Jüdische Gemeinden, 391 Mitgliederliste 1935; 992 e 2, Deportationslisten Band 2 u. 3; Hamburger Lehrerverzeichnis, Jahrgänge 1927, S. 93; 1930, S. 94; 1933, S. 93, hrsg. von der Gesellschaft der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungswesens; Heinz Rosenberg, Jahre des Schreckens, 1985, S. 19f.; Jüdische Stätten in Hamburg. Hrsg. vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden und der Landeszentrale für politische Bildung. Hamburg 1995, Nr. 72.

Diese Biographie entstand im Rahmen des Projektes „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ unter Leitung von Dr. Rita Bake (Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg) und Dr. Beate Meyer (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg).