Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Jung-Danielewicz Hedwig

Jung-Danielewicz Hedwig

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Berlin
Bildung 
Promovierte Ärztin
Beruf 
Frauen- und Kinderärztin
Deportationsdatum 
1941 November 10
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Todesumstände unbekannt
Berichtsart 
Familiengeschichte

Hedwig Danielewicz wurde am 5. Dezember 1880 in Berlin geboren. Sie hatte einen Bruder, Richard (*1879) sowie drei Schwestern: Else (*1882), Klara (*1886) und Käte (*1890).

1901 bestand Hedwig das Abitur und begann in Berlin mit dem Medizinstudium. Da sich der dortige Ordinarius für Anatomie weigerte, Frauen zu seinen Vorlesungen und Semesterübungen zuzulassen, setzte Hedwig Danielewicz ihr Studium an den Universitäten in Heidelberg und Freiburg fort. Hedwig beschrieb ihre Studienzeit als nicht sehr glücklich: Sie lebte sehr zurückgezogen und musste mit Vorurteilen sowohl gegen weibliche als auch gegen jüdische Studierende kämpfen. 1908 promoviert, zog sie 1911 nach Düsseldorf und eröffnete ihre Praxis als Frauen- und Kinderärztin auf der Schadowstraße. 1912 lernte sie den zwei Jahre jüngeren Maler Carl Jung-Dörfler kennen, der aus einem kleinen Ort im Siegerland stammte. Hedwig Danielewicz konvertierte zum katholischen Glauben, bevor sie ihn 1916 heiratete. Nach Carl Jung-Dörflers Entlassung aus dem Kriegsdienst – er war nach einem Zusammenbruch dienstuntauglich geschrieben worden – zog das Paar in die Uhlandstraße 23, wohin Hedwig auch ihre Praxis verlegte.

1927 starb Carl Jung-Dörfler im Alter von 49 Jahren. Unermüdlich versuchte Hedwig Danielewicz, die etwa 200 Werke ihres Mannes als zusammenhängenden Nachlass zu sichern. 1934 erkrankte sie an Krebs, ihr Einkommen nahm stetig ab. Immer weniger Patientinnen trauten sich, ihre Praxis aufzusuchen, und zum 1. Oktober 1938 wurde ihr als „Nichtarierin“ die Zulassung als Ärztin endgültig entzogen. 1939 starb ihre Mutter Henriette im Alter von 80 Jahren in Düsseldorf, und Hedwig zog zu ihrer Schwester Else in die Uhlandstraße 28.

Am 10. November 1941 wurden die Schwestern ins Ghetto von Minsk deportiert. Zwei Wochen zuvor hatte Hedwig ihre 1933 begonnenen Aufzeichnungen mit dem Titel „Das Leben einer Konvertitin“ an die katholische Schriftstellerin Gertrud von le Fort geschickt, und in einem kurzen Brief an ihren Neffen Hans in der Schweiz um schnellstmögliche Hilfe zur Einreise nach Kuba oder „evtl. einem anderen Land“ gebeten und sich verabschiedet: „…lebt alle herzlich wohl, ich habe Mut und Gottvertrauen und halte den Kopf hoch…“

Im Minsker Ghetto wirkte Hedwig als Krankenbetreuerin. Es gelang ihr, über den deutschen Wehrmachtsangehörigen Max Luchner den Kontakt zu ihrer Schwester Klara aufzubauen. Klara konnte über Luchner Lebensmittel und Medikamente ins Ghetto schmuggeln.

Else Danielewicz wurde im Zuge einer „Aktion“ im Ghetto getötet. Auch Hedwig Jung-Danielewicz hat nicht überlebt.

Erstellt von Hildegard Jakobs