Das Vorkriegsleben
Leonid Michajlovič wurde am 15. September 1927 in Minsk geboren. In den Vorkriegsjahren lebte er mit seinen Eltern, dem Bruder und der Großmutter zusammen. Die Eltern sprachen Jiddisch. Leonid Rubinstein besuchte eine russische Schule und sprach nur Russisch. Vor dem Kriegsausbruch schaffte er es, sieben Klassen abgeschlossen zu haben. Er erinnert sich, dass er mit Kindern verschiedener Volkszugehörigkeiten eng befreundet war: »Wir haben die gleiche Schule besucht, Fußball gespielt. Wir hatten eine eigene Fußballmannschaft, in der jüdische, weißrussische und russische Kinder zusammen gespielt haben, und keiner hat auf diese Tatsache Rücksicht genommen.« (Projektgruppe Belarus: Existiert das Ghetto noch? Weißrussland: Jüdisches Überleben gegen nationalsozialistische Herrschaft, Berlin 2003, S. 116.)
Der Kriegsbeginn
Die ersten Kriegstage wurden in seinen Erinnerungen durch unzählige Bombenangriffe und Brände in Minsk tief geprägt. Während eines solchen Angriffs wurde er mit einer Bombensplitter am Bein verwundet, und deswegen konnte seine Familie nicht evakuiert werden.
Das Leben im Minsker Ghetto
Ende Sommer 1941 geriet die gesamte Familie Rubinstein ins Minsker Ghetto. Zusammen mit vier weiteren Familien fanden sie ihre Unterkunft in einem großen Haus, das man vor dem Krieg als »Schriftstellerhaus« bezeichnet hatte. Leonid erinnert sich, dass der Vater ein paar Gucklöcher in die Tür bohrte: »Abends wurden die Kinder ins Bett gebracht, und die Eltern standen Wache die ganze Nacht hindurch. Wenn einmal an die Tür geklopft wurde, so hieß das >Vorsicht!<, wenn zweimal – >Alle ins Versteck!<, dann sprangen wir unter den Tisch und in alle möglichen Löcher.« (Ebenda, S. 118.)
Dem kleinen Leonid gelang es häufig, das sogenannte »russische Viertel« zu besuchen. Dabei pflegte er, sich in den Stadtteil zu begeben, in dem seine Familie vor dem Krieg gewohnt hat. Dort hatte er viele Bekannte, die ihn allseitig unterstützen. Manchmal aber spürte er einen gewissen Haß, der gegen ihn als Jude gerichtet wurde. Einmal begegnete er seinem Schulfreund, und der sagte: »Du, jüdische Fratze, du darfst dich hier nicht herumtreiben! Wie bist du hier gekommen? Warte mal, ich rufe die Polizei! Man soll euch, alle Juden, zusammenschießen!« (Ebenda, S. 120.) Nach dieser Begegnung hatte Leonid Angst, seinen alten Wohnsitz zu besuchen. Bald darauf ging es mit den Vernichtungsaktionen los. Planmäßig wurden alle Einwohner, bestimmter im Voraus angegebener Straßen, ermordet. Außerdem kamen systematische regelmäßige Pogrome im Ghetto Tag und Nacht vor.
Am 1. Juli 1943 geriet Leonid Rubinstein ins Lager in der Schirokaja-Straße, von dort aus wurde er erst nach Majdanek und dann nach Auschwitz transportiert. Als sich die Front näherte, wurden die Häftlinge ins KZ Dachau deportiert. http://www.meod.by/ru/arhiv-novostej/17-2008/1574-2011-07-21-15-23-30.html
Die Befreiung
Im KZ Dachau erlebte Leonid Michajlovič am 29. April 1945 seine Befreiung durch amerikanische Truppen.
In den Kriegsjahren verlor er alle seinen Verwandten: die Mutter, den Vater, den Bruder und die Großmutter.
Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk