Die ehemalige Hausangestellte Martha Baumgarten, geboren am 23.03.1921 in Verden (Aller), wohnte in Oldenburg. Sie versuchte wie viele zur damaligen Zeit aus Deutschland nach England auszuwandern. Dementsprechende beantragte sie einen Reisepass, welcher ihr auch ausgestellt wurde. Ein dickes rotes „J“ für „Jude“ prangt oben rechts auf dem Antrag. Bestätigt durch einen Stempel der Polizei und des Einwohner Meldeamtes ist, dass es keinerlei Sicherheitsbedenken gäbe und Marthas Meldeinformationen ordnungskonform seien.
Vermutlich da Martha zur damaligen Zeit erst 17 wahr, musste ihr Vater Julius ihren Antrag schriftlich bestätigen. Im inneren des unbenutzten Passes liegt die Notiz des Vaters aus Verden: „Ich bitte meiner Tochter Martha Baumgarten zwecks Auswanderung einen Pass ausstellen zu wollen“.
Der Pass wurde für eine Auswanderung nach England beantragt, welche jedoch scheiterte. So wurde der Pass Juni 1939 noch vor dem vereinbarten Ablaufdatum von der Polizei Oldenburg entwertet und später entwendet.
Zwei Jahre später, 1941, wurde sie mit ihren Eltern (Mutter: Luise Baumgarten, geb. 22.10.1880 in Graudenz/Westpreußen und Vater: Julius Baumgarten, geb. 26.11.1881 Verden, Kaufmann http://www.erinnerungsbuch-oldenburg.de/jeo.php?PID=16) nach Minsk deportiert. Dort wurden sie höchstwahrscheinlich am 29. Juli 1942 auf der Waldlichtung in Blagowschtschina nahe Malyj Trostenez mit mehreren tausenden Juden gleichzeitig erschossen.
Erstellt von den Schülerinnen und Schülern des Herbartgymnasiums Oldenburg