Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Hesse Normann, Grete, Lea und Manfred

Hesse Normann, Grete, Lea und Manfred

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Normann-Ungedanken, Grete-Osnabrück, Lea und Manfred-Oldenburg
Beruf 
Normann-Händler, Grete-Handarbeitslehrerin
Deportationsdatum 
1941 November 18
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde die ganze Familie am 29. Juli 1942 in Blagowschtschina/Trostenez ermordet
Berichtsart 
Familiengeschichte

Normann Hesse, 23.9.1889 in Ungedanken (Kr. Fritzlar) geboren. Seine Eltern waren Moses Hesse und Rika Henriette Hesse, geborene Bierbaum. Nachweislich hatte Normann einen Bruder: Adolf. Über die Familie Hesse ist wenig bekannt.

Normann Hesse kam 1921 nach Oldenburg und heiratete die aus Osnabrück stammende Grete Meyer. Grete Margarete Hesse (geborene Meyer) wurde am 12.08.1889 geboren. Ihre Eltern waren Jettchen Henriette Meyer (geborene Hecht) und Adolf Meyer. Die Familie lebte in Osnabrück, wo Adolf Meyer einen Antiquitätenhandel betrieb. Sie bekamen neun Kinder, von denen zwei früh verstarben. Kunst und Kultur scheinen in der Familie einen hohen Stellenwert gehabt zu haben. Gretes Bruder Norbert war Schauspieler am Bochumer Schauspielhaus. Ihr Bruder Otto führte nach dessen Tod den erweiterten Antiquitätenhandel des Vaters weiter und stellte dort zeitgenössische Kunst aus. Er gilt als wichtiger Förderer zeitgenössischer junger Künstler in Osnabrück und Berlin. Nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam war er am dortigen Stadtmuseum als Kurator tätig und später als Gründungsdirektor im jüdischen Museum Amsterdam. Grete selbst machte eine Ausbildung zur Putzmacherin (Meisterprüfung 13.9.1913).

Im Oktober 1921 zog das Ehepaar Hesse nach Oldenburg, wo am 03. Oktober 1922 Tochter Lea und am 28. Oktober 1925 Sohn Manfred geboren wurden. Ab August 1928 lebte die Familie in der Gottorpstraße 15a. Normann betrieb einen Handel mit Waschmitteln, Kurzwaren, Kaffee, Tee und Kakao. Ab Januar 1938 war Grete als Handarbeitslehrerin an der jüdischen Volksschule tätig. Möglicherweise machte Lea Hesse eine Ausbildung zur Schneiderin und ihr Bruder Manfred zum Schlosser. Wie viele jüdische Männer in Oldenburg wurde Normann Hesse während der Novemberpogrome am 10. November verhaftet, in das Gerichtsgefängnis Oldenburg gebracht und am Folgetag in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, aus dem er am 06.12.1938 entlassen wurde. Im Januar 1939 musste die Familie aus ihrem Haus in der Gottorpstraße ausziehen. Ihren letzten Aufenthaltsort in Oldenburg hatten sie im überfüllten, sogenannten „Judenhaus“ in der Kurwickstraße 5. Im Frühjahr 1940 verließen sie Oldenburg, um nach Hamburg zu gehen. Dort verbrachten sie noch eineinhalb Jahre, bevor die gesamte Familie am 18. November 1941 in das Ghetto Minsk deportiert wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden Grete, Normann, Lea und Manfred Hesse am 29. Juli 1942 in Blagowschtschina/Trostenez ermordet.

Erstellt von den Schülerinnen und Schülern des Herbartgymnasiums Oldenburg