Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Grün Lili

Grün Lili

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Österreich
Geburtsort 
Wien
Beruf 
Schriftstellerin
Deportationsdatum 
1942 Mai 27
Unterbringung/Inhaftierung 
Vernichtungsort Malyj Trostenez
Schicksal 
Ermordet am 1. Juni 1942 auf der Lichtung in Blagowschtschina
Berichtsart 
Familiengeschichte

Lili Grün kommt am 3. Februar 1904 als Jüngste von vier Geschwistern in Wien zur Welt. Ihre Eltern sterben früh. Als Jugendliche interessiert sie sich für Theater, Schauspiel und Literatur. Sie spielt auf verschiedenen Bühnen, etwa am neuen Theater der sozialistischen Arbeiter-jugend in Wien. 1931 zieht Lili Grün nach Berlin. Sie schreibt Artikel, Gedichte und publiziert in Zeitschriften wie dem Magazin »Tempo«, dem »Berliner Tageblatt« und dem »Prager Tagblatt«. Gemeinsam mit anderen Künstlern gründet sie das Kabarett »Die Brücke«. Als Mitbegründerin des Kabaretts »Die Brücke« tritt sie gemeinsam mit Schauspielern wie Ernst Busch (1900–1980) auf. Für ihren Lebensunterhalt arbeitet sie tagsüber in einer Konditorei.

Nach Aufenthalten in Prag und Paris kehrt sie 1933 nach Wien zurück, ihr erster Roman »Herz über Bord« erscheint. Kurz nach der Veröffentlichung wird das Buch ins Ungarische und ins Italienische übersetzt. Ihr zweiter Roman »Loni in der Kleinstadt« erscheint 1935 bei einem Schweizerischen Verlag. Im südtirolischen Meran versucht Lili Grün 1935, ihre Tuberkulose zu kurieren. Ihr Verleger sammelt Spenden für den Kuraufenthalt, da Grün wegen des Publikationsverbots in Geldnot ist.

Als Jüdin erhält sie 1938 Publikationsverbot. Sie verarmt und leidet an Tuberkulose. Vermutlich 1940 wird sie von den Behörden gezwungen, ihre Wohnung aufzugeben. Zuletzt ist sie in einem Massenquartier für Juden im 1. Bezirk untergebracht. Am 27. Mai 1942 wird sie in einem Transport vom Aspangbahnhof Wien aus nach Minsk deportiert und am Ankunftstag, den 1. Juni auf der Lichtung im Waldstück Blagowschtschina nahe Malyj Trostenez bei Minsk ermordet.

2007 wird in der Heinestraße 4 in Wien im Gedenken an Lili Grün ein »Stein der Erinnerung« gesetzt ebenso für Oswald Levett, Alma Johanna König und  Ber Horowitz, drei weitere österreichische Schrift-steller. Sie wurden 1942 in Malyj Trostenez bzw. in Stanislau (Iwano-Frankiwsk, Ukraine) ermordet. Durch das Engagement einer Bürgerinitiative wird 2009 im 2. Bezirk von Wien ein Platz in der Nähe des Augartens nach Lili Grün benannt. Zur feierlichen Namensgebung findet eine Lesung ihres wieder aufgelegten Buches »Alles ist Jazz« statt.

Verfasst im Rahmen der deutsch-belarussischen Wanderausstellung «Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung»